Arbeit, Familie, Schlaf: Vatersein ist eine Frage der Einstellung

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Arbeit, Familie, Schlaf: Vatersein ist eine Frage der Einstellung
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Zugegeben, dieses Bild des berufstätigen Vaters ist weit verbreitet und sicherlich auch ein wenig auf die Spitze getrieben. Und ja, auch für mich ist es eine Herausforderung Arbeit, Familie und Schlaf in ein ungefähres Gleichgewicht zu bringen. Dabei wurde die vierte Komponente, nämlich Zeit für sich und die eigenen Interessen, noch gar nicht berücksichtigt. Trotzdem muss ich sagen, dass es mir besser geht als je zuvor, seitdem wir uns mit unserem eineinhalbjährigen Sohn eine kleine Familie nennen können. Der Grund dafür ist vielschichtig. Es hat aber vor allem etwas mit der eigenen Einstellung zu tun und ob man seine Kinder als Belastung im stressigen Alltag betrachtet oder ob man sie als Bereicherung in Form eines gesunden Ausgleichs in der Freizeit sieht.

Warum haben wir Kinder?

Während des Studiums und während der ersten Jahre im ersten Job wollten weder meine Frau noch ich Kinder. Wir wollten die Zeit genießen, uns nicht einschränken, Zeit und Geld in Reisen und andere Annehmlichkeiten investieren und uns nicht um ein schreiendes, sabberndes “Haustier” kümmern zu müssen. Ältere Freunde und Bekannte, die bereits Kinder hatten, bestätigten unser Bild, wenn wir die alltäglichen Kämpfe mit den Kids mit ansehen mussten oder um ein Zeitfenster kämpften, an dem wir unsere Familienväter oder -mütter mal für einen Kinobesuch buchen wollten.

Das Leben ging also seinen Gang. Wir genossen unser Studium, bereisten über 2 Jahre Australien, zogen in eine deutsche Großstadt und genossen unser Leben mit allem, was die ersten Jahre der Berufstätigkeit so mit sich brachten: Kino und Konzertbesuche, aufwändige Urlaube, Freunde in anderen Städten besuchen und gemütlich mit ihnen abhängen. Nach einigen Jahren stellten wir jedoch fest, dass uns etwas fehlte. Etwas Neues, das unseren Alltag bereicherte. Gleichzeitig sahen wir, wie die ersten in unserem Freundes- und Bekanntenkreis selbst Kinder bekamen. Und wir fingen an an die Zukunft zu denken. Verpassen wir etwas? Wie sieht unsere Zukunft in 10 oder 20 Jahren aus? Wie wird es sein, als einziges Paar ohne Kinder bei Zusammenkünften am Tisch zu sitzen?

Noch bevor meine Frau schwanger wurde, sprachen wir bereits darüber, warum wir Kinder haben wollten. Ging es um Selbstverwirklichung? Wollten wir Kinder nur deswegen, weil “alle” Kinder bekommen? Gehört es einfach dazu? Wir waren uns schnell einig, dass wir Kinder wollten, um unseren inzwischen drögen Alltag zu bereichern. Wir hatten auch den Drang, unserem Leben einen neuen Sinn, eine Struktur und uns selbst Verantwortung zu geben. So fielen alle Puzzleteile ganz natürlich in die noch offenen Felder und irgendwann war der Kleine plötzlich da.

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Die Familie entlastet die Eltern, wenn man sie nur lässt

Wir waren plötzlich also zu Dritt und in den folgenden Monaten drehte sich natürlich alles um das neue Zentralgestirn in unserer Familie. Uns fiel vor allem auf, dass wir kaum noch gefragt wurden, wie es uns ging, sondern immer nur, ob es dem Kleinen gut ging und wie er sich entwickelte. Wir haben es nie ausprobiert, aber ich glaube, dass wenn wir jemals auf die Idee gekommen wären Familienmitglieder zu besuchen ohne den Kleinen mitzubringen, wäre das einer persönlichen Beleidigung nahe gekommen. Dieser Aspekt hat im Übrigen auch etwas Positives. Man erfährt viel Aufmerksamkeit, es gibt unzählige Hilfsangebote für den Alltag und eine wahre Inflation an Essenseinladungen im Kreise der Familie. Und gerade weil die näheren Verwandten immer Zeit mit dem Jungen verbringen und sich zeitgleich der lästigen Überwachung der Eltern entziehen möchten, wird einem immer gern angeboten mit dem Kind spazieren zu gehen oder irgendwo hinzufahren in der Regel gekoppelt mit dem Angebot, dass man es sich selbst ja einfach nur auf der Couch gemütlich machen könne (wer sagt da schon nein). Außerdem wird man permanent mit Babyklamotten, Spielzeug und anderer Ausrüstung bedacht. Denn kaum einer kann der Versuchung widerstehen, die kleine Seele mit Spielzeug und Ähnlichem zu bestechen, was wiederum dazu führt, dass wir zwar Kiloweise Spielzeug nach Hause schaffen, aber es wenigstens nicht bezahlen müssen.

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Kinder lenken ab und sorgen für Bodenständigkeit bei den Eltern

Dann wäre das noch das Thema Zeit. Klar, ich kann wirklich nicht mehr alle 14 Tage mit meinen Kollegen durchsaufen, weil morgens um 7:00 der zweibeinige Wecker im Bett steht, und “Papa aufstehen” schreit. Nicht dass ich es nicht versucht hätte, aber eines ist sicher: Der Wecker hat keine Snooze-Funktion, lässt sich nicht abschalten und den Kater muss man irgendwie stehend, spielend und wickelnd auskurieren. Ich habe das nur einmal probiert.

Dieses Thema ist dann aber schlagartig vom Tisch, wenn sich im engeren Freundeskreis der Nachwuchs ankündigt. Plötzlich werden Grillpartys bei Tageslicht gefeiert, man fährt zusammen ins Sommerhaus statt in die Türkei zu fliegen und Abends sitzt man gemütlich bei ein paar Drinks zusammen und lässt den Abend noch bis Mitternacht ausklingen. Und ab und zu organisiert man dann vielleicht einen Abend oder ein Wochenende ohne Kinder, welche dann als besondere Highlights empfunden werden, an denen man ein wenig den guten alten Zeiten nachhängt. Und trotzdem ertappt man sich dabei, wie man sich fragt, wie es den Kindern gerade geht und dass man sie doch ein kleines Bisschen vermisst.

Viel anstrengender ist aber tatsächlich der Alltag. Vor allem wenn man nach einem anstrengenden Tag nach der Arbeit nach Hause kommt und der Kleine vor der Tür steht und sich den ganzen Tag auf seinen Papa gefreut hat. Hier muss man sich wirklich zusammennehmen und der Versuchung widerstehen, sich einfach nur auf die Couch fallen zu lassen. Andererseits kommt man gar nicht erst dazu, über Probleme im Job nachzudenken. Der Arbeitsstress tritt sehr schnell in den Hintergrund, wenn der Kleine einen direkt und mit massivem Nachdruck zu 100 Prozent in Anspruch nimmt. Und ich versichere euch: Ein Kind merkt es sofort, wenn man gedanklich abschweift oder sich von Fernseher oder einem Blick aufs Smartphone ablenken lässt. Ich habe für mich festgestellt, dass diese Abende mit meinem Sohn ein wichtiger Ausgleich sind, der fast schon etwas Therapeutisches hat. Und ich habe gelernt, dankbar für diese Stunden mit meinem Kind zu sein. Inzwischen wurmt es mich sogar, wenn eine Dienstreise oder ein Abendtermin mir diese Stunden mit meinem Sohn verwehrt.

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Das einzige was mir zeitweise fehlt, ist Zeit für meine Hobbys. Ich würde gern mal wieder regelmäßig wenn Wind ist eine Runde Kitesurfen gehen, wieder mit dem Segeln anfangen und vielleicht auch mal ein Wochenende das Zelt einpacken und surfender Weise die Nordsee unsicher machen, wofür der Kleine im Moment noch zu klein ist. Was mich im Moment davon abhält, sind aber nicht die familiären Verpflichtungen. Es ist die Tatsache, dass ich mich dann doch dazu entscheide, etwas zu unternehmen, wo ich den Kleinen mitnehmen kann, weil ich gern Zeit mit ihm verbringe. Hier muss ich in der Tat an mir arbeiten. Denn ich neige vielleicht eher dazu, etwas bequem zu werden, als dass ich keine Zeit mehr finde, meinen Hobbys nachzugehen. Und dieser Ausgleich ist dann doch hin und wieder sehr wichtig für das eigene Wohlbefinden.