„Mama später“ – der harte Anfang in der Kita

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„Mama später“ – der harte Anfang in der Kita
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Ich weiß noch ganz genau, wie ich im Vorgespräch beim Kennenlerntermin in der Kita, fröhlich erzählte, dass mein Kleiner ein fröhlicher Junge ist, der nie stillsitzen kann und sehr offen anderen Kindern gegenüber ist. Ich hatte die Betreuer noch vorgewarnt, dass es mit dem Mittagsschlaf vielleicht Probleme geben würde. Denn unser Kleiner geht nicht gern ins Bett ohne dabei in den Schlaf gekuschelt zu werden. Dies ist in der Kita natürlich nicht möglich, vor allem auch deshalb, weil sie dort in großen Kinderwagen draußen zum schlafen abgestellt werden. Nun ja, sagen wir mal so: Der Mittagsschlaf lief völlig unproblematisch. Der Rest aber eher nicht so. Vor allem nicht für mich.

Viele werden sicherlich den Kopf schütteln, wenn ich nun berichte, dass mein Sohn nach 4 Wochen sehr gut eingewöhnt war und sich jetzt jeden Tag auf die Kita freut. Er liebt seine Erzieherin und fragt mehrmals täglich nach ihr. Die Lieder, die dort gesungen werden, werden auch zuhause lauthals vorgetragen und alle Namen der anderen Kinder werden ständig heruntergebetet. Er ist also wirklich gut in der Kita angekommen und er sollte genau der fröhliche Junge bleiben, von dem ich im Vorgespräch berichtet hatte. Die erste Zeit war aber nicht immer einfach.

Die Eingewöhnung und die erste Trennung

Die erste Woche lief super, da ich meinen Sohn jeden Tag in die Kita begleitete und tagsüber dort blieb. Wir haben von Tag zu Tag die Aufenthaltsdauer in der Kita verlängert und mein Sohn hat alle Aktivitäten, sei es singen, spielen oder essen, fröhlich mitgemacht. Dann kam der Tag der ersten Trennung und ich war voller Zuversicht, dass er es mit Bravur meistern würde. Ich hatte mit den Erzieherinnen abgemacht, dass ich zuerst ein wenig anwesend sein sollte, mich dann liebevoll aber schnell von ihm verabschieden und dann zügig gehen sollte. So habe ich es auch gemacht und es lief super!

Nach 45 Minuten rief mich die Erzieherin an und sagte, dass er jetzt langsam anfinge nach mir zu fragen und dass ich wohl besser wiederkommen solle. Als ich zurück war, war er fröhlich und hat sich tierisch gefreut mich zu sehen. Am darauffolgenden Tag folgte genau dasselbe Spiel.

Am dritten Tag verabschiedete ich mich dann voller Zuversicht von ihm und dann kam auch schon direkt der erste Crash. Die Erzieherin hatte mich bereits darauf vorbereitet, dass dies passieren könnte und es eine ganz normale Reaktion wäre. Aber das verzweifelte Weinen und rufen nach mir hat mir fast das Herz gebrochen. Ich saß heulend im Auto und nach 30 Minuten riefen sie mich an und baten mich zurückzukommen. Es ginge ihm zwar besser, er würde sich aber nicht beruhigen lassen.

Am Fenster habe sah ich schon, wie er weinend auf dem Schoss der Erzieherin saß und nach mit rief. Als ich endlich drin war und ihn hochnehmen konnte, hat er noch lange geschluchzt, bis er sich endlich beruhigte. Die folgenden 2 Wochen waren dann auch wesentlich schwieriger.

„Mama später“ – der harte Anfang in der Kita

Es wurde von Tag zu Tag besser

Es ging von Tag zu Tag besser – der Abschied fiel ihm nach und nach leichter, er ließ sich schneller beruhigen und die Erzieherinnen berichteten, dass er fröhlich mit den anderen Kindern spielen und mit Freude essen und trinken würde. Die Tränen beim Abschied gehörten zwar noch immer dazu, genauso wie meine Tränen im Auto bei der Abfahrt, aber sie wurden weniger und nach insgesamt 2 Wochen hat er das erste mal in der Kita Mittagsschlaf gemacht. Davor hatte ich am meisten Angst, denn gerade beim Schlaf braucht mein Sohn normalerweise besonders viel Geborgenheit und schläft am besten in meinem Arm ein. Dann kam aber die große Überraschung: Er hatte sich freiwillig hingelegt, hat seinen Teddybär an sich gekuschelt und dann 2,5 Stunden am Stück geschlafen. Der Mittagsschlaf und das Einschlafen waren also nicht, wie befürchtet, ein Problem und bis zum heutigen Tag funktioniert die Schlaferei in der Kita wie am Schnürchen. Er schläft meist 2,5 bis 3 Stunden jeden Tag und wacht in der Regel erst dann auf, wenn ich wieder da bin um ihn abzuholen.

Die Erzieherin berichtete jeden Tag, wie der Tag verlaufen war, und nur selten hatte er einen Aussetzer und war traurig oder wütend geworden. Sie berichtete mir außerdem, wie sie ihm jeden Morgen davon erzählt, dass Mama arbeiten müsse, aber später wiederkomme und dass es ihn beruhige, wenn sie über mich und seinen Papa spricht. Ich bin so froh und glücklich darüber, dass die Erzieherin erkannt hat, wie sie meinen Kleinen am besten trösten kann, ganz egal ob mit Worten, Musik, Singen oder Nähe. Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass er dort super aufgehoben ist.

Das schlechte Gewissen war fürchterlich

Als mein Lütter das erste Mal „Mama später“ sagte, musste ich lachen. Denn es war genau das, was ihm die Erzieherin erzählte, um ihn zu beruhigen. Die Worte aus seinem Mund waren niedlich und ich freute mich, dass er verstanden hatte, dass ich weggehen würde, ihn aber immer wieder abhole.

Als dann morgens bei der Autofahrt das erste Mal die Wörter „Mama später“ fielen, war es plötzlich nicht mehr so witzig. Mittlerweile sagt man Sohn diesen Halbsatz von allein, wenn ich ihn abgebe oder wenn ich mich zuhause von ihm und seinem Papa verabschiede, wenn ich z.B. zum Sport gehe. Ich merke, dass er sich auf diese Weise selbst tröstet. Ich fühle mich aber gleichzeitig wie die schlechteste Mutter der Welt, wenn er dies zu mir sagt. Das schlechte Gewissen nagt an mir, wenn ich daran denke, dass mein kleiner Junge es nötig hat, sich mit diesen Worten zu trösten, weil ich nicht für ihn da bin. Ich weiß, dass es ihm in der Kita gut geht, dass er nicht so viele Stunden dort verbringt wie viele der anderen Kinder und trotzdem plagt mich jeden Morgen das schlechte Gewissen, wenn ich ihn dort abgebe.

Abschiede tun immer weh - auch nur für ein paar Stunden

Ich sehe natürlich auch, wie er sich jeden Morgen freut, wenn wir bei der Kita ankommen. Wie er fröhlich nach seiner Erzieherin ruft und sich freut, wenn er sie gefunden hat. Wie er die anderen Kinder umarmt und innerhalb kurzer Zeit davonläuft, um mit ihnen zu spielen. Die Erzieher in unserer Kita sind wirklich super. Sie sitzen auf Augenhöhe mit den Kindern und spielen mit ihnen. Sie singen, sie lesen vor, sie entdecken die Natur zusammen, sie basteln, sie essen mit den Kindern zusammen, sie machen Quatsch, sie setzen Grenzen und sie trösten und küssen die Kinder auf die Stirn, wenn sie hingefallen sind. Das alles weiß ich, aber die Wörter „Mama später“ brechen mir immer noch das Herz jedes Mal, wenn ich sie höre.