Reboarder: Rückwärts ist sicherer!

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Babywalz
Reboarder: Rückwärts ist sicherer!
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Solange das Baby noch ganz klein ist, besteht eigentlich gar keine Frage, in welche Richtung das Baby sitzen soll, da dies gesetzlich geregelt ist. Momentan gibt es zwei Kindersitznormen, nach denen die neuen Autokindersitze zugelassen werden: die ECE R44/03, ECE R44/04 und UN R129-Norm, auch I-Size genannt. Babys müssen nach der neuen I-Size-Verordnung bis zu einem Alter von mindestens 15 Monaten rückwärts gesichert werden, um den noch unstabilen Kopf und Nacken des Babys am besten zu schützen. Nach der alten ECE R44-Norm dürfen Babys schon ab 9 kg vorwärts fahren.

Was bedeutet das Wort Reboarder?

Als Reboarder bezeichnet man Autokindersitze, die im Auto entgegen der Fahrtrichtung angebracht werden. Das Kind kann also zu keinem Zeitpunkt nach vorn schauen, sondern schaut nach hinten durch das Heckfenster oder durch die Seitenfenster nach draußen. Reboarder gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen, je nachdem für welches Alter und Gewicht sie benötigt werden. Auch die allseits bekannte Babyschale wird als Reboarder bezeichnet. Je nach Zulassungs-Norm sind die Sitze für verschiedene Gewichtsklassen ausgelegt. Somit können Kinder im Reboarder bis zu einem Gewicht von 25 kg rückwärts transportiert werden.

Ein Reboarder wird entweder per Isofix im Auto befestigt oder im Auto mit dem Autogurt festgegurtet. Die Sitze mit Isofix können wesentlich schneller eingebaut werden und die Gefahr, dass der Sitz falsch eingebaut wird, ist hier sehr gering. Bei den gegurteten Ausführungen ist der Einbau aufwändiger. Dafür sitzen die Sitze sehr fest und sicher, wenn sie erstmal drin sind. Wer die Sitze oft ein- und ausbauen muss, z.B. weil regelmäßig die Sitzbank für den Transport von sperrigen Gegenständen umgelegt wird, ist mit einem Isofix-Sitz besser beraten. Allerdings können Isofix-Sitze nicht so lange für ein Kind genutzt werden wie einige gegurtete Ausführungen, da es hier aufgrund der Isofix-Befestigung im Auto meist ein Gewichtslimit gibt.

Was sind die Vorteile an einem Reboarder?

Der eindeutigste Vorteil an einem Reboarder ist der Sicherheitsaspekt. Denn gerade für jüngere Kinder ist ein Reboarder wesentlich sicherer als ein vorwärtsgerichteter Sitz. Bei den nach ECE R44 zugelassenen Sitzen ist es erlaubt, kleine Babys schon ab 9 kg Körpergewicht vorwärtssitzend zu transportieren. Bei einem vorwärtsgerichteten Sitz kommt es aber bei Bremsmanövern oder Unfällen zu erheblichen Belastungen des kleinen Körpers. Bei Babys und Kleinkindern ist der Kopf noch überproportional groß im Verhältnis zum Rest des Körpers. Er macht ca. 20% des Gesamtgewichts aus, was im Falle eines Aufpralls insbesondere im Nackenbereich zu einer enormen Krafteinwirkung führt. Der im Verhältnis zum Rest des Körpers sehr große Kopf wird hierbei nach vorn geschleudert, während der Rest des Körpers von den Gurten im Sitz gehalten wird. Diese extreme Krafteinwirkung auf den Nacken kann besonders schlimme Folgen haben. Bei einem Unfall, wo das Kind in einem rückwärtsgerichteten Sitz transportiert wird, werden die Kräfte vom Aufprall auf den gesamten Rumpf des Kindes verteilt. Hier ist das Risiko schwerer Verletzungen erheblich geringer. Bei einem Frontallaufprall reduziert der Reboarder die Gefahr einer schweren Verletzung um ca. 90%.

Reboarder: Rückwärts ist sicherer!

Quelle: http://www.der-apfelgarten.de/warum-mein-kind-in-einem-reboarder-faehrt/

Das oben beschriebene Szenario betrifft Frontal-Crashs, die mit knapp 60% die Mehrzahl aller tödlichen und schweren Unfälle ausmachen. Umgekehrt werden nur ca. 2 % der Unfälle durch einen Heckaufprall verursacht. Doch auch beim Seitenaufprall stehen die Reboarder in der Unfallbilanz sehr gut da, da Seitenaufprälle meistens mit einem Bremsvorgang einhergehen. So wird das Kind im Reboarder zuerst in den Sitz gedrückt, während das vorwärtsgerichtete Kind nach vorn geschleudert wird. Es gibt für das vorwärts gerichtete Kind also keine schützende Komponente für den Kopf während des Unfallgeschehens. Somit gelten Reboarder als die sicherste Wahl für Kinder bis 4 Jahren. Laut dem Info-Flyer von www.reboard-kindersitz.info fahren die Kinder bis zum Alter von 4 Jahren in rückwärts-gerichteten Sitzen 5 Mal sicherer als in vorwärts-gerichteten Sicherungssystemen!

(Quelle: https://www.zwergperten-shop.de/reboard-kindersitz.html?p=1 und www.reboard-kindersitz.info)

Unterschiede zwischen Reboarder, Pseudo-Reboarder und Fangkörpersitzen

Der Reboarder ist ein Sitz, der entgegen der Fahrtrichtig im Auto eingebaut wird. Es gibt auch einige Reboarder-Modelle, die auch vorwärts eingebaut werden dürfen. Hierbei handelt es sich meist um Sitze mit Isofix-Befestigung und einer festen Basis, worauf man die Sitze auch umgedreht einklicken kann. Doch auch hier gilt: Obwohl es diese Möglichkeit gibt, sollte man darauf verzichten, den Sitz vorwärtsgerichtet einzubauen. Das Kind fährt rückwärts nun mal am sichersten.

Ein Pseudo-Reboarder kann  sowohl vorwärts- als auch rückwärtsgerichtet eingebaut werden. Das besondere an ihm ist, dass er bis zu einer bestimmten Gewichts- oder Größengrenze für den rückwärtsgerichteten Einbau zugelassen ist aber schon ab z.B. 13 kg oder 86 cm nur vorwärtsgerichtet eingebaut werden darf. Diese Sitze machen wenig Sinn, da das Kind schon dann umgesetzt werden muss, bevor es aus dem Alter raus ist, wo es sicherheitstechnisch keinen erheblichen Unterschied macht, wie herum es transportiert wird.

Ein Fangkörpersitz ist ein Sitz, der vorwärtsgerichtet eingebaut wird. Im Gegensatz zu den anderen Modellen wird das Kind hier nicht angeschnallt, sondern es bekommt eine Art Kissen, den sogenannten Fangkörper, vor den Brust- und Bauch-Bereich gespannt. Auf diese Weise wird das Kind gleichmäßiger im Sitz zurückgehalten, wenn es zu einem Aufprall kommt. Diese Sitze halten den Körper zwar nicht so fixiert, dass nur der Kopf allein bei einem Aufprall nach vorn schnellt. Die Belastung konzentriert sich hier eher auf den Brust- und Bauchbereich der Kleinen. Aber auch der Kopf und das Gesicht können schwere Verletzungen davontragen, denn beim Unfall wird der Kopf ungebremst auf das Aufprallkissen geschleudert. Dennoch bleibt hier das Risiko für Verletzungen erheblich höher als bei den Reboarder-Modellen. Wenn man sich aber von einem vorwärtsgerichteten Sitz nicht abbringen lassen will, ist der Fangkörpersitz für die Kleinen bis zu einem Alter von 4 Jahren sicherlich eine Alternative zu den übrigen vorwärtsgerichteten Sitzen mit 5-Punkt-Gurt.

Unser Sitz: der Maxi Cosi 2wayPearl

Für uns war es eigentlich sofort klar, dass wir nach der Babyschale einen Reboarder nehmen werden. Wir haben uns schlussendlich für den Maxi Cosi 2wayPearl entschieden, da unser Kleiner darin am besten gesessen hat. Dieser Sitz ist nach der neuen I-Size-Verordnung zugelassen und kann bei einer Körpergröße von 67 – 105 cm und max. 18,5 kg verwendet werden. Somit passt ein durchschnittliches Kind bis zu einem Alter von etwa 4 Jahren noch gut hinein. Dieser Sitz wird auf einer Isofix-Basis befestigt. Dies war für uns besonders wichtig, da wir den Sitz oft ein- und ausbauen müssen und somit das ewige gegurte für uns wegfallen würde. Angeschnallt wird der kleine Passagier mit einem 5-Punkt-Gurt, der wirklich sehr angenehm zu bedienen ist. Die Gurte klappen sich automatisch ein wenig nach außen, wenn das Kind ein- oder aussteigen muss, sodass die kleinen Ärmchen sich nicht darin verheddern. Wir haben im Fachhandel einen kleinen Tipp bekommen, womit sich feststellen lässt ob das Kind ordentlich angeschnallt ist. Wenn die Gurte richtig angezogen sind, dann sollte es nicht möglich sein mit zwei Fingern einen Knick in den strammen Gurt zu drücken.

Der Maxi Cosi 2wayPearl ist auch für den vorwärtsgerichteten Einbau zugelassen. Wir könnten unseren Kleinen theoretisch also auch vorwärts im Auto transportieren. Vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Sicherheitsaspekte nutzen wir diese Möglichkeit jedoch nicht und haben dies in Zukunft auch nicht vor. Der Sitz ist sehr hochwertig, kann in sowohl Sitz- und Liegepositionen gebracht werden und unser Kleiner sitzt auch auf langen Fahrten sehr gern in seinem kleinen Thron – was bei der Babyschale leider nicht der Fall war. Bislang sind wir also komplett zufrieden.

Kritik von Familie und Freunden – wie gehe ich damit um?

Als wir beiläufig davon berichteten, dass wir uns gerade einen neuen Autositz für unseren Sohn besorgt hatten, sind wir unerwarteter Weise mit sehr viel Kritik aus dem Freundes- und Bekanntenkreis konfrontiert worden. Nach einigen Auseinandersetzungen hatten wir unsere Gegenargumente perfektioniert und wollen euch unsere Erfahrungen natürlich nicht vorenthalten.

Der Preis: über 400 Euro für einen Autositz - Seid ihr denn bekloppt?

Tatsächlich war der häufigste Kritikpunkt der Preis. Ein Reboarder ist meist teurer als die vorwärtsgerichteten Sitze und der von uns ausgesuchte Sitz mit Isofix war noch einmal eine Ecke teurer als die gegurteten Versionen, die wir uns sonst noch angeschaut hatten. Der Preis war aber für uns nie ein Thema. Nicht, weil wir übermäßig viel Geld zur Verfügung haben, sondern weil wir schlichtweg an anderer Stelle sparen und Sicherheit und Praktikabilität für uns im Alltag einen sehr hohen Stellenwert haben. Wir brauchen keine teuren Markenklamotten für unseren Kleinen in 4-Facher Ausführung und haben Spielzeug, Anziehsachen und Ähnliches auch gern gebraucht gekauft oder geliehen. Bei der Sicherheit unseres Kindes wollten wir aber nicht sparen, was die meisten Kritiker dann auch sehr schnell nachvollziehen konnten.

Reboarder: Rückwärts ist sicherer!

Die Aussicht: Aber das Kind kann ja überhaupt nicht nach draußen gucken!

Die meisten halten dieses Argument für ein Totschlagkriterium, da es ja wohl eine Unverschämtheit ist, dem Kind die freie Sicht nach vorn vorzuenthalten. Hier kam uns allerdings eine sehr fachkundige Verkäuferin zu Hilfe, als wir eben diese Bedenken unserer Sippe vortrugen. Wenn ein vorwärtsfahrendes Kind richtig und fest angeschnallt ist, kann es den Kopf nur zur Seite drehen. Es kann sich jedoch nicht nach vorn und zu den Seiten aus dem Sitz drücken. Somit kann es nur das sehen, was nicht von den Seitenteilen des Kindersitzes abgedeckt ist und natürlich das, was genau vor ihm ist. Dies ist in aller Regel der Vordersitz, die Kopfstütze des Fahrers oder Beifahrers und mit etwas Glück noch ein Zipfel Straße links und rechts davon. Also nicht besonders viel. Beim rückwärtsfahrenden Kind sieht es ganz anders aus. Auch hier kann es aus den Seitenfenstern nur das sehen, was nicht vom Sitz selbst abgedeckt wird. Aber nach Hinten raus lässt sich die Umgebung viel entspannter betrachten. Dieses Phänomen kennt man auch als Erwachsener, wenn man im Bus oder im Zug rückwärts fährt und aus dem Fenster schaut. Hierbei nimmt man beim Blick aus dem Seitenfenster in der Regel mehr wahr, weil sich Objekte von einem weg bewegen und man die Umgebung nicht so oft neu fixieren muss wie beim vorwärtsfahren. Zudem kann das Kind durch die Heckscheibe nach draußen schauen. Wir haben hierfür die Kopfstütze des Rücksitzes abgebaut und den Kofferraum abgedeckt, so dass unser Kleiner während der Fahrt hinten rausgucken kann. Da sieht er weitaus mehr als die Kinder, die stundenlang auf die Kopfstütze ihrer Eltern schauen müssen.

Die Beine: Aber die Beine werden doch total gequetscht!

Auch hier ließen sich etwaige Sorgen schnell zerstreuen. Denn ein befreundetes Elternpaar hat ein Kind, was schon seit Jahren rückwärts fährt und keinerlei Probleme mit den Beinen hat – im Gegenteil. Beim vorwärts gerichteten Sitz baumeln die Beine des Kindes in der Luft herum. Es hat zwar viel Beinfreiheit, kann aber die Beine meist nirgendwo abstellen. Wir als Erwachsene erleben dieselbe Situation, wenn wir auf einem Barhocker sitzen, wo es keine Möglichkeit gibt, die Füße abzustellen. Es wird nach kurzer Zeit sehr anstrengend und die Beine fangen an weh zu tun. Im Reboarder können die noch kleinen Kinder ihre Beine bequem ausstrecken. Ältere Kinder schlagen ihre Beine ganz einfach über Kreuz und sitzen im Schneidersitz oder strecken ihre Beine zu den Seiten aus. Das ist für die Kinder viel bequemer, als die Beine stundenlang nur baumeln zu lassen.

 

Zusammenfassend kann man also sagen: Es spricht eigentlich alles dafür, einen Reboarder zu kaufen. Die Gegenargumente basieren oft auf Erwartungen oder Erfahrungen, die mit der Realität und dem aktuellen Wissensstand wenig zu tun haben. Und gerade beim Thema Sicherheit müssen wir wirklich noch einmal betonen, dass der Reboarder praktisch unschlagbar ist. So kann man als Mutter oder Vater beruhigt und entspannt mit den kleinen Liebsten ins Auto steigen und ohne Sorgen auf die nächste kleine oder große Reise gehen.